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Muttertag

Heute ist Muttertag und das Cafe wird sich mit – mehr oder wenig liebenden – Angehörigen füllen – proppefüllen denn wenn die alte Mutti sonst nicht so häufig besucht wird, HEUTE muss es sein! Ich hätte es eigentlich auch gerne aber die eine ist krank, die andere in Frankreich und ich habe selber Schuld. Mein Mann und ich, alte 68-er, erzogen die Kinder mit „Muttertag? Das ist nur kommerzieller Quatsch“. Ich weiss ein Jahr ging die kleine Tochter in den äusserst gepflegten Nachbarsgarten und pflückte einen grossen Blumenstrauss. Pah, das gab Ärger – von den Nachbarn -. Also, wie heisst es, wie man bettet so liegt man – oder war das jetzt nur aus dem Schwedischen übersetzt? Aber als Trost habe ich von meiner mir „zugeflogenen“ Extra-Tochter wunderbare Blumen bekommen. Alles ist in Ordnung!

Hilfe

Es klingelt mitten in der Papstwahl an der Tür, es klingelt Sturm und ich denke, dass Haus brennt oder sonstwas. Vor der Tür steht meine Nachbarin, so klein und so zart mit sooo einer grossen Wohnung (und mit einem himmlischen Balkon.. (ich=Neid) und sie stammelt „es ist alles so laut“ und ich höre wie Musik durch die Gänge dröööhnt. Ein Glück dass die meisten – und ich auch – schon etwas schwerhörig sind.. Es stellt sich heraus, dass ihr Radio so irre laut war und sie nicht wusste wie man es leiser stellt. Schritt 1: Fernbedienung suchen und – ich schwöre – bei so einem alten Menschen hat sich in der Wohnung einiges angesammelt aber die Fernbedienung finden wir auf ihrem Rollator, also endlich leiser. „Ich habe die Knöpfe nicht gefunden“ sagt der kleine Mensch traurig. Alles in Ordnung, ich technikunbegabte Frau kriege es hin und Stille herrscht im Altersheim wieder – wie es sich so gehört.. Der kleine Mensch ist glücklich und ich freue mich, dass ich ihr helfen konnte und fühle mich schon wieder in meinem Beschluss bestätigt, nicht so uralt werden zu wollen. Ich weiss, das stösst auf Unverständnis, aber heisst es nicht „man soll gehen wenn es am schönsten ist“ ?

Der Kampf um den Fahrstuhlplatz

Wir haben viele Fahrstühle – und auch viele Bewohner – aber wenn gleichzeitig 3 RollatorfahrerInnen in den Fahrstuhl möchten, dann wird es knapp. Und versuch nicht das Chaos zu ordnen wie „wenn Sie sich so hinstellen und Sie so dann klappt es“ oder „wer zuletzt aussteigen möchte, steigt bitte zuerst ein“. Nein, es ist ein Kampf um Leben und Tod – ich will hier rein unf keiner darf vor MIR in den Fahrstuhl!! – und garantiert muss die/derjenige, die/der sich zuerst reingequetscht hat zuerst aussteigen, also alle Rollatoren wieder raus und das Spiel fängt vom Neuen an. Ach ja, wir haben es halt sehr eilig hier im Altersheim und das Gehirn arbeitet wohl langsamer wenn man älter wird..

Königl. deutscher Neid

Hier im Altersheim – oh sorry, Seniorenresidenz… – gibt es sehr viele Menschen die sich beklagen weil es so umständlich ist Häuser und viel Geld zu erben – und was man sonst so erben kann. Ich sitze dort und höre zu, nehme die Hand der anderen und seufze „Ach Du Ärmste, was für ein Elend..“ aber verdammt noch mal, jetzt ist es genug gezeufst… Es fällt mir schwer Mitleid mit meiner Nachbarin zu haben, nur weil sie ein Haus geerbt hat, mit einer anderen Bekannten die nicht ein Haus sonderen einen Haufen Häuser geerbt hat und in echt – ich hätte auch gerne etwas geerbt – auch um es an Kinder und Enkelkinder weiter vererben zu können – aber nu isses nicht so gekommen und beklage mich nicht – normalerweise – (aber sie tun es wahrscheinlich..) – aber irgendwie kriege ich es nicht mehr hin, in dem „Elend“ salbungsvoll zu trösten.. Ja ich weiss, ich BIN doch etwas neidisch aber jetzt habe ich wenigstens ein Los in der Fernsehlotterie gekauft und wenn dort auch kein Goldregen kommt, na, dann isses so wie es iss..

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Habe gerade versucht den Balkon etwas in Ordnung zu bringen – Frühling und Sommer verlangen solche Heldentaten und mit der schönen Terasse die ich habe, wäre es eine Schande wenn nicht. Aber ach wie müde deralte Körper ist! Ich schleppe den Staubsauger nach draussen, bücke mich und suche passendes Mundstück und muss mich bücken um alles einzufangen. Dann etwas wischi-waschi mit dem Lappen und habe das ganze Projekt schon satt. Aber warum ist der Körper so müde bloss? Die Füsse fühlen sich wie Betonklötze an und sich zu bücken ist schon ein kleines Abenteuer und wenn der Kopf dann wieder oben ist, dreht sich alles. Ich mache Gymnastik, laufe viel aber hilft das? Überhaupt nicht! Was ist am schwersten, Körper oder Seele – bei mir beides aber was hilft mir das? Nischt!

Ach ja..

Ich sitze und arbeite, Frieden herrscht. Plötzlich klingelt es hart und laut an der Tür. Draussen steht eine alte Dame und versucht in meine Wohnung zu kommen und fragt:“Ist hier der Fahrstuhl?“. Ich muss leider verneinen denn nein, ich habe keinen Fahrstuhl,. schnappe mir meine Schlüssel und sage ihr dass ich ihr den Fahrstuhl zeige. In Schnekcentempo gehen wir die Gänge runter, sie wird immer langsamer und jammert leise, dass die Füsse ihr weh tun. Ich frage in welcher Etage sie wohnt und drücke ihr den Knopf mit der 2 und schäme mich für mich selbst etwas, dass ich nicht mitfahre und sicherstelle, dass sie dort ankommt wo sie hinmöchte und stelle wieder mal fest, dass ich abdanken möchte, ehe ich auch so verwirrt bin. Aber vielleicht ist sie in ihrer eigenen Welt glücklich, wer weiss..