Wie ich es schon erzählt habe, bin ich letzte Woche auf dem Eis hingeknallt (+ 12 Stunden in der Notaufnahme.. da muss man ein reiches Innenleben haben denn es liegen nicht mal abgeblätterte GEO-Hefte dort auf dem Tisch.. ) denn die Wege in unserem großen Garten waren glatt wie ein Kinderpopo und als ich mich darüber an der Rezeption etwas beklagen wollte bekam ich DEN STRENGEN BLICK und die strenge Stimme schaute die Oma an und sagte dass die Gärtner genug zu tun hätten UND AUSSERDEM HINGE JA DORT DA EIN SCHILD DAS BESAGTE DASS DIE WEGE NICHT GESTREUT WERDENWÜRDEN und warum zum Teufen muss die Oma dann da laufen und der strenge Blick wurde noch etwas strenger. Also wird nicht gestreut und jetzt hat es ja etwas (für eine Schwedin sind 2 cm Schnee nischt, nada..) geschneit und dann ist es ja nicht so glatt aber jetzt friert es ordentlich und es wieder glatt wie ein Kinderpopo draussen so dass die Oma schön drin bleibt und statt dessen auf das Laufband geht und darüber nachdenkt wie es wohl kommen konnte dass sie eine Oma geworden ist, die sich nicht traut hinaus zu gehen. Dass es so verdammt schnell gehen kann…. Bild Sophie Herken
Vor den Fahrstühlen steht eine kleine zarte Person mit einem riesigen Rollator und sieht verloren aus. Ich frage ob ich ihr helfen kann und als Antwort bekomme ich, dass sie auf dem Weg zum Kurs für Gedächtnistraining ist und nicht mehr weiss wo der Kurs stattfindet. Ich schicke sie auf den richtigen Weg und denke ob der Kurs wohl hilft?
Gestern waren einige mir – hier auch wohnenden – inzwischen lieb gewordenen Menschen bei mir, um den schwedischen Glühwein zu testen. Sie haben alle überlebt! Aber so im Nachhinein muss ich doch etwas schmunzeln und darüber glücklich sein, dass wir noch nicht ganz Gaga sind (oder vielleicht doch?). Wir haben über Demenz, Tod usw. so viel gelacht weil uns die Themen noch so weit entfernt scheinen – dabei lauern sie um der (die?) Ecke.. Aber noch nicht – wehret den Anfängen!!!!!!
Bild noch einmal Sophie Herken – finde das Bild einfach super! sagt die stolze Mama..
Es macht mich doch immer etwas bedrückt, wenn kleine Berge von alten Sachen wie verschlissene, durchgelebte Möbel irgendwo stehen und auf die Abholer warten. Es ist wieder mal so weit. Es wird hier aber nicht über den Tod gesprochen, es ist ein absolutes Tabu-Thema. In der internen Zeitung steht immer wer eingezogen ist, aber über die „weiter“gezogenen steht nix und dabei kann ja jede/r sich ausdenken, dass wenn 9 Leute eingezogen sind müssen wohl auch 9 Leute weitermarschiert sein – ob nach oben oder nach unten – egal. Tod ist hier ein „No-go-Wort“ und der Vorschlag, eine Informationsveranstaltung über die geänderte Gesetzeslage zu veranstalten, fiel leider nicht in gute Erde sondern wurde sofort abgelehnt. Nein, darüber möchte man wirklich nicht sprechen! Iss ja gut, ich weiss was ich wissen möchte und will und wenn die anderen es nicht wollen ist es deren Sache. Wir sehen und oben oder unten – mehr haben wir nicht zu bieten!
Die unermüdlichen Ladies sind dabei unser Haus in das Weihnachtswunderland zu verwandeln. Nein, es ist nicht kitschig, ich mag es, es ist einfach gemütlich. Es finden Vorträge, Essen, Feierlichkeiten etc. statt aber ich glaube ich ziehe meine Brücke hoch und lasse die Feiertag an mir vorbeigehen. Bin mit etwas nicht im Lot oder wie es heisst und im Januar spucken wir wieder in die Hände und schauen ob wir das neue Jahr überleben. Mir fehlen die Weihnachtsfeierlichkeiten mit kleinen Kindern – inzwischen ist es ja wie ein 6:er im Lotto wenn man erraten kann, womit man einem einem jungen Menschen eine Freude machen könnte – ausser Geld und Gutscheine. Aber irgendwie ist nischt mit dem 6:er im Lotto und die selbst gehäkelte Mütze möchte die nächste Generation doch nicht haben. Aber ich erinnere mich an ein zauberhaftes Wesen, das zu mir kam und häkeln lernte und promt eine breite, fette, grelle Krawatten für den Papa machte. Komisch, ich habe nie gesehen, dass er sie getragen hätte.. Und dabei war so viel Blut, Schweiss und Tränen in der Krawatte.. Süsse – nicht der Sieg zählt sondern die Teilnahme! Bild Sophie Herken
Es ist schon sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich man so spazieren gehen kann. Wir haben einen beliebten feinen Rundweg durch einen schönen Garten, also kein Grund zu meckern. Es gibt also verschiedene Gruppen 1. Eheleute, 2. Freundinnen 3. Singles 4. Telefonabhängige und 5. special friends. Eheleute: Die Frau gibt klar den Weg an und marschiert rasch 20 m weg vor dem Mann – im Schlepptau. Konversation: 0 aber was will man auch alles bereden nach 50 Jahren Ehe, ist alles schon gesagt? Alternativ gehen sie Händchenhaltend damit keine/r wegläuft. Freundinnen: Sie gehen neben einander mit ihren Rollatoren und wenn jemand so leichtsinnig ist und in die andere Richtung gehen möchte – Pech gehabt, wird einfach zur Seite gefegt und die Damen haben meistens VIEL zu bereden. Single: gehen schweigend und denken über ihre Sünden nach (ätsch, ist eh alles zu spät..) und Special friends: Gestern war ich unterwegs weil ich mich doch etwas bewegen wollte und traf mehrmals einen bärtigen Herren der mich freundlich mit dem Satz „Es regnet nicht mehr. Es wird jetzt kälter“ begrüsste. Wir trafen uns mindestens 6 mal und jedes Mal hörte ich den Satz aber ich lächelte freundlich und murmelte etwas als Antwort. Man möchte ja nicht unhöflich sein zu einem alten Herrn der den Anschluss ans Leben verloren hat.
Danke liebe Gudrun, es tut mir gut Deine Worte zu lesen. Ja warum ansonsten keiner bloggt weiss ich auch nicht…