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Die Rollatorkaravane

Es ist bald Mittagessen-Zeit, man riecht es im ganzen Haus und man sieht die Rollatorkaravane Richtung Speisesaal. Wer nicht selbst rollen möchte/kann wird einfach mitgenommen – sitzend auf dem Rollator.

Das arme Personal schwört 100 Tage Regen und Schnee über die Rollatoren, die im Speisesaal herumstehen und das fliegende Personal stört. Aber ich habe gelernt, mit dem Rollator zu leben. Ich weiss noch als ich das erste Mal damit hinausgehen wollte und schlagartig verstand, dass ich jetzt eine echt alte Frau geworden war. Einfach so… Zack! Aber jetzt sind wir best Buddies und wenn ich unterwegs leicht schwanke hilft er mir, senkrecht zu bleiben Aber ich habe jetzt aufgehört, auf den Bürgersteingen herumzueiern (hier muss ja jeder Hausbesitzer für die Schneeräumung sorgen und irgendwie scheinen sie keine Lust mehr zu haben und da wir in Berlin sind, hat das NULL Konsequenzen) und laufe auf der wunderbar freigeräumte Strasse. Wieso nicht, ich habe auch vier Räder, also was solls?? Wenn der Bus kommt und im Bus schon ein Zwillingskinderwagenn (=Monster..) und ein Rollatorkompis steht muss Frau die Ellbogen herausholen aber ohne Ellbogen bist Du in Berlin eh verloren…

Bild Sophie Herken

Houston wir haben ein Problem..

Man hat mich im Bewohnerbeirat für Küche und Essen zuständig ausgewählt – warum ich? Weil ich am Anfang die Welt im Haus in Unordnung gebracht habe, weil ich EMPÖRT darüber war, dass es keine vegetarische Essensalternative gab. Nicht jede/r möchte telefonbuchdicke Fleischscheiben, die gerade ihren Freischwimmer in Soße machen, haben. Es hat gedauert und den Manager gekostet aber jetzt ist Friede, Freude.. D.h. ich jedenfalls meckere nicht mehr – und wenn, nur ein bisschen..

Wir haben jetzt das Problem, dass es den Bewohnern zu gemütlich wird. Wir essen in zwei Schichten und Schicht 1 bleibt einfach dort hocken und quatscht. Für sehr viele Bewohner, die einzige Möglichkeit am Tag ein „soziales Leben“ zu haben aber das wirklich reizende Personal hat das Problem, dass es in Windeseile die Tische neu decken muss und glauben Sie mir, es wird fröhlich gekleckert.. Warten nur bis es so weit ist, das Zitterzhändchen kommt auch zu Ihnen.. Manch eine möchte gerne dort noch einen Kaffee haben, aber.. Wie verklickert man jetzt den Bewohnern dass dann und dann Schluss ist ohne unhöflich zu sein? Das muss wohl auf einer höheren Ebene entschieden werden denn ich hatte gedacht, ich nehme das Mikrofon und erkläre es einfach, aber nee, so einfach ist hier nichts und ok, ich harre der Dinge..

Liebe Worte von Maria Al-Mana.. Danke Dir Maria..

Das deutsche Altersheim und Cecilia aus Schweden

  Maria Al-Mana Kommentare 0 Kommentare

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, mit diesem erneuten Anlauf auf meine Impressionen aus den Blogs 50plus nur noch auf NEUES zu schauen … Doch fast sofort sprang mich eine Bekannte an … Cecilia Stickler, geboren in Schweden, aber schon lang in Deutschland ansässig. Und ich fand den ersten Blog von ihr schon so toll … Damals, vor rund neun Jahren, als wir die Plattform Blogs 50plus gestartet haben – Altwerden ist nichts für Feiglinge! Nachzulesen hier.

Inzwischen glaube ich, sie ist sicher die einzige Schwedin, die aus einem deutschen Altersheim bloggt, vielleicht sogar die einzige Bloggerin, die überhaupt aus einer „Seniorenresidenz“ bloggt … Ja. Da fängt’s nämlich schon an … Von Anfang an habe ich ihren feinen Humor bewundert – man schaue sich nur mal dieses „Selbstporträt“ von ihr an:

Porträt von Cecilia Stickler
Foto: Schönarting. Aus dem Ex-Blog „Altwerden ist nichts für Feiglinge“.

Und diesen Humor hat sie sich ganz offenbar bewahrt. Auch im Altersheim, ähm, nein: „Es ist seltsam wie schnell man sich daran gewöhnt, dass hier im Altersheim (oh Verzeihung, Seniorenresidenz 🙂 ) …“ So beginnt einer ihrer Blogeinträge. Und geht dann ungerührt weiter mit „rechts und links einfach gestorben wird. Ich habe den Mann doch vor einigen Tagen noch gesehen und er sah ja ganz ’normal“‘ aus und nun ist er tot. Seltsam, so still und leise.“ Ihr merkt: Das ist eine Frau, die Klartext redet – schwedisch oder deutsch? Egal, geht beides. Die Seite ist zweisprachig. Cecilila ist eine Frau mit feinen Wahrnehmungs-Sensoren, sie kann aufgrund ihrer Doppelsprachigkeit so manches in Frage stellen, was anderen gar nicht (mehr) auffällt, etwa:

Das Argument hier [also, in Deutschland],dass es einfacher ist „Sie A…loch“ statt „Du A…loch“ zu sagen, prallt an mir völlig ab. A..loch ist A…loch egal ob Du oder Sie.

Das schrieb sie nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in Stockholm – wo eigentlich jede jeden duzt, nur das „zarte Wesen an der Kasse“ nicht – das siezt Cecilia. Und die ruft aus: „Ja ich weiss, sie tut es aus Respekt aber NEIN ICH WILL AUCH GEDUZT WERDEN!!“

Das Altersheim und ich heisst Cecilia Sticklers Blog. Kann ich nur wärmstens empfehlen.

Und inzwischen sieht das Startfoto ihres Blogs so aus:

Quelle: https://das-altersheim-und-ich.de/de/startseite/
Autorin und Buchhebamme Maria Al-Mana mit kleinem Hund auf dem Arm

Maria Al-Mana

Maria Al-Mana betreibt das Unruhewerk, denn das Thema „älter werden und sichtbar bleiben“ liegt ihr am Herzen. Wir sollten sichtbarer werden, wir 50plus-Bloggerinnen und -Blogger!

Glückliches Kauen..

Mit dem Essen sind wir hier nicht immer so ganz einverstanden. Es gab sogar einmal beinahe ein Palastrevolution und bei unseren monatlichen Sprechstunden mit dem Küchenteam mussten die Jungs sich aber warm anziehen – so alte Leute sind nicht so zimperlich- aber sie sind auch hart im Nehmen. Das alte Küchenteam wurde vor der Tür gesetzt und jetzt ist es ruhiger geworden und die neuen geben sich sehr viel Mühe (aus Angst vor unserem Zorn?) und vor allem: sie sind ansprechbar und nehmen Kritik an und ernst. Was nicht heißen soll dass jetzt immer Freude herrscht aber heute gab es Pellkartoffeln mit Quark und bei dem Essen herrscht glückliches Schmatzen. Iss doch so einfach (und preiswert) uns glücklich zu machen – also geht doch…. Dann folgte aber die Nachspeise, der pure Zuckerschock …. Also wenn ich heute über reagiere dann wisst ihr warum.. Und außerdem bin ich etwas beleidigt darüber dass die Nachspeise als SCHWEDISCHE Nachspeise verkauft wird. Die vereinten Zahnärzte in Schweden würden die Nachspeise mit einem Schrei auf den Müll werfen aber Okey, viele von uns haben ja keine Zähne mehr und dann spielt das vielleicht keine Rolle – ICH HABE MEINE ABER NOCH UND MÖCHTE SOWAS NICHT MEHR HABEN!!

Dass ich nicht die Schnauze halten kann..

War vor einer Weile in meinem Lieblingskrankenhaus, das mit den flotten jungen Militärärzten – eine Augenweide…Nur die Ärztin war gestresst und irritiert und hatte es logischerweise eilig aber ich wollte MEHR wissen. Als sie den Raum verlassen wollte, schmeiße ich ihr flott hinterher „Augen auf bei der Berufswahl“ und sie frohr in ihrer Bewegung ein und knallte die Tür zu. Ich hätte mir die Zunge abbeissen können und PROMPT hat sie sich bei meiner Tochter, die mein Sprachrohr ist, beschwert. Meine Tochter rief SOFORT an, gab ihrer alten Mutter eine Standpauke und fragte ob ich verrückt sei (dabei liegt sie vielleicht nicht so falsch) und sie nahm mir das Versprechen ab, dass ich die Ärtzin anrufe und mich entschuldige. Habe verstanden dass ich nicht darum rum komme und rief an und bat tausend Mal um entschuldigung und bla, bla, bla. Sie sagte kurz “ Entschuldigung ist angenommen“ (im Militärkrankenhaus redet man vielleicht etwas kurz gefasst..) und ich hoffe, sie hat mich bis zum nächsten Mal vergessen oder vielleicht einen neuen Job in einem anderen Krankenhaus bekommen und NEIN ICH WERDE IN ZUKUNFT DIE SCHNAUZE HALTEN!!!! Versprochen!!

Weihnachten vorbei..

Heute ist der 6. Januar und Weihnachten ist vorbei und als möchten die Mächte uns etwas aufmuntern scheint etwas (Okey etwas sagte ich, nicht mehr..) Sonne in den Schneeresten. Wir gehören zu den Glücklichen, die noch Strom und Heizung haben. Ich frage mich wo sie vor gehabt hätten ca. 500 wirren alte Leute unterzubringen. Jemand hat ein Attentat auf der Stromversorgung gemacht und seit einigen Tagen sitzen 20 000 Leute bei Eiseskälte (für Berliner Verhältnisse.. okey, ist Popokalt!) ohne Strom und Heizung. Auf der anderen Straßenseite sind sie betroffen, Glück muss der Mensch haben. Dafür hatten wir heute eine Jazzband hier im Foyer und es waren leckere Sachen aufgedeckt. Es war sehr nett und nun heißt es endgültig Weihnachten Ade!! Ob ich den nächsten Weihnachten noch erlebe oder bin ich dann eine Stufe weitergegangen??