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Eine geht, eine kommt..

Meine süße kleine Nachbarin, ein kleines zartes und leicht verwirrtes Wesen, das manchmal der Meinung war, dass wild fremde Leute bei ihr im Wohnzimmer sitzen würden, immer den Schlüssel suchte, die manchmal das Radio auf Stufe Steintaub eingestellt hatte und den Knopf für Leiserdrehen nicht fand, die eine so große und schöne Wohnung mit einer Terrasse, auf der man hätte Walzer tanzen können hatte (bei mir wird es höchstens ein kleines Schrittchen), sie ist jetzt im Krankenhaus sanft eingeschlafen. Sie wird mir fehlen, sie war so zart und so fein und immer fröhlich – d.h. als sie sich verlaufen hatten und nicht nach Hause fand war sie nicht so fröhlich aber wer ist das schon wenn man sich in dem Riesenhaus verläuft? Zu ihrem Andenken hat man ein kleines Kärtchen an der Tür geheftet und ich muss beim Vorbeigehen immer an das zarte kleine Persönchen denken. Hoffentlich hat sie es gut, dort wo sie jetzt ist.

Langeweile..

Draussen ist Berlinwinter und wenn Ihr ihn nicht kennt bedeutet das, alles ist grau in grau, der Himmel ist grau, die Menschen sind grau, die Strassen sind entweder Matschepampe oder eisglatt und natürlich grau – also der Gedanke daran eine Runde zu drehen ist schon erstickt und ausserdem ist es jetzt dunkel und dann ist es noch grauer – sozusagen dunkelgrau… Nein auch nicht Lortios „frisches steingrau“ Habe meine Kammer etwas aufgeräumt, Ablage gemacht, versucht das Handbuch über Smart Watch zu lesen – warum kaufe ich mir sowas wenn ich dafür zu doof bin.. stöhn.. Bitte bitte, lass es bald Frühling werden, lass die Sonne kommen und vielleicht ein klitze kleines Blümchen.. bitte..

Wie geht´s?

Man sagt wenig „Guten Tag“ “ Guten Abend“ hier, nein man schaut dem anderen Menschen tief in die Augen und sagt „Wie geht´s“ mit leichtem zitternden Mitgefühl in der Stimme und macht sich auf einen langen Bericht bereit, wie es gestern ging, wie es heute geht und was der Doktor sagt. Manchmal habe ich dann vergessen, dass die Person mir sein Leiden schon mal ausführlichst geschildert hat aber werde sofort auf den neusten Stand gebracht. Also Gesundheitsstand muss immer auf dem neusten Stand sein und mir fällt auf, dass ich mein ganzes langes Leben nie so viel über Krankheiten geredet habe wie hier und dabei habe ich die Trumpfkarte in der Tasche – ich habe ein ganzes Sortiment im Angebot. …

Die Rollatorkaravane

Es ist bald Mittagessen-Zeit, man riecht es im ganzen Haus und man sieht die Rollatorkaravane Richtung Speisesaal. Wer nicht selbst rollen möchte/kann wird einfach mitgenommen – sitzend auf dem Rollator.

Das arme Personal schwört 100 Tage Regen und Schnee über die Rollatoren, die im Speisesaal herumstehen und das fliegende Personal stört. Aber ich habe gelernt, mit dem Rollator zu leben. Ich weiss noch als ich das erste Mal damit hinausgehen wollte und schlagartig verstand, dass ich jetzt eine echt alte Frau geworden war. Einfach so… Zack! Aber jetzt sind wir best Buddies und wenn ich unterwegs leicht schwanke hilft er mir, senkrecht zu bleiben Aber ich habe jetzt aufgehört, auf den Bürgersteingen herumzueiern (hier muss ja jeder Hausbesitzer für die Schneeräumung sorgen und irgendwie scheinen sie keine Lust mehr zu haben und da wir in Berlin sind, hat das NULL Konsequenzen) und laufe auf der wunderbar freigeräumte Strasse. Wieso nicht, ich habe auch vier Räder, also was solls?? Wenn der Bus kommt und im Bus schon ein Zwillingskinderwagenn (=Monster..) und ein Rollatorkompis steht muss Frau die Ellbogen herausholen aber ohne Ellbogen bist Du in Berlin eh verloren…

Bild Sophie Herken

Houston wir haben ein Problem..

Man hat mich im Bewohnerbeirat für Küche und Essen zuständig ausgewählt – warum ich? Weil ich am Anfang die Welt im Haus in Unordnung gebracht habe, weil ich EMPÖRT darüber war, dass es keine vegetarische Essensalternative gab. Nicht jede/r möchte telefonbuchdicke Fleischscheiben, die gerade ihren Freischwimmer in Soße machen, haben. Es hat gedauert und den Manager gekostet aber jetzt ist Friede, Freude.. D.h. ich jedenfalls meckere nicht mehr – und wenn, nur ein bisschen..

Wir haben jetzt das Problem, dass es den Bewohnern zu gemütlich wird. Wir essen in zwei Schichten und Schicht 1 bleibt einfach dort hocken und quatscht. Für sehr viele Bewohner, die einzige Möglichkeit am Tag ein „soziales Leben“ zu haben aber das wirklich reizende Personal hat das Problem, dass es in Windeseile die Tische neu decken muss und glauben Sie mir, es wird fröhlich gekleckert.. Warten nur bis es so weit ist, das Zitterzhändchen kommt auch zu Ihnen.. Manch eine möchte gerne dort noch einen Kaffee haben, aber.. Wie verklickert man jetzt den Bewohnern dass dann und dann Schluss ist ohne unhöflich zu sein? Das muss wohl auf einer höheren Ebene entschieden werden denn ich hatte gedacht, ich nehme das Mikrofon und erkläre es einfach, aber nee, so einfach ist hier nichts und ok, ich harre der Dinge..