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Sonntag

Es ist Sonntag morgen und im Haus herrscht noch Ruhe. Einige fleißige Mitbewohner sind schon in der Rollatorspur unterwegs. Das schlechte Gewissen klopft, ja, ja, ich werde mich auch dort nachher einreihen. Mein Vorhaben/Traum war ja als Bewohnerbeiratsmitglied einen Geräteparcours aufzustellen zu können. Wie in vielen Parkanlagen, wäre das nicht super, wenn ich wie eine Maus im Rad meine Runden drehe, dass ich kurz zur Seite steige und mal was anderes mache? Jedenfalls hat mein Körper mehr Muskeln als nur Beinmuskeln.. Fand ich super – aber nur ich – die anderen Beiratsmitglieder leider nicht – es kamen die üblichen, (Entschuldigung: deutsche) Argumente: „was ist wenn jemand sich was antut“, „es werden dann Heerscharen -ja ganz Zehlendorf – von nicht-Bewohnern sich herumtummeln“, „wer ist versicherungstechnisch gesehen verantwortlich?“ Fehlte nur: „ist das mit den Datenschutzrichtlinien konform?“ Vor so vielen Argumenten geht bei mir die Luft aus und ich weiß, dass ich es n i e m a l s schaffen würde, diese Menschen von meinem Vorhaben zu überzeugen. Also haben wir keinen Parcours und ich werde mich nachher einreihen und meine stinklangweiligen Runden drehen. 10 000 Schritte müssen her..

Die zahnlose Regierung

Das Altersheim und ich

Laut Gesetz müssen wir eine Art Regierung haben, die von den Bewohnern (ich pfeife auf gendern, denkt Euch das selbst gefälligst aus.) gewählt wird und von den Bewohnern besteht. Naiv wie ich bin habe ich mich vor 2 Jahren wählen lassen mit der echt naiven Vorstellung, ich könnte das eine oder andere ändern/verbessern aber jetzt habe ich gelernt – LASS DIE FINGER DAVON! Wenn nicht die Regierung sich quer stellte (Verräter..) dann tat das Unternehmen das. ich habe alles von Tai-chi, Parkparcour, Abendbar, Einladung an diejenigen die uns über das neue Gesetz – und das kaum jemand kennt, weil es unter den Teppich gekehrt wird – Infos gibt, wenn wir der Meinung sind, dass das Weltliche genug ist – und das in Deutschland! Sensation und die wenigsten wissen was darüber aber da wir hier eingezogen sind um in den Jungbrunnen zu hüpfen = überflüssig. Ja, jetzt sind wieder Wahlen und ich Trottel kandidiere wieder weil ich mich darüber schäme, dass es kaum möglich ist, von 500 Leuten 7 Freiwillige zu finden aber wenn ich Glück habe finden sie dass die etwas eigenartige Schwedin sowieso nischt ist.. mal sehen.. Bild Sophie Herken

Danke nach oben

Wohin danke? Nach oben? Ja, zu dem Herrn da oben dafür dass ich einen halben Keller habe. Zu der Wohnung gehört ein kleines Kabüffchen in der Wohnung (damit soll Frau klar kommen?? War der Architekt wahnsinnig??) und wenn auf der einen Längsseite ein Regal steht, dann heisst es, nicht zu fett werden denn dann kommst du nicht durch. Ich bin auf dem besten Weg dazu (Gruss und Morddrohung an die Küche) Wie jemand es ohne Keller schafft ist mir ein Rätsel aber vielleicht gehören sie zu der „Kein-Müll“-Bewegung. Wenn Sachen hier eingelaufen sind (sprich: ich fetter geworden bin) landen sie dort in der Hoffnung dass sie eines Tages wieder passen (was sie leider nie tun) aber wenn das nicht eintrifft habe ich ja eine schlanke Schwester und dann wird alles nach Stockholm transportiert und lagert dort, weil mein Kleidergeschmack Lichtjahre entfernt von dem meiner Schwester ist und so werden Ihre Nachbarn auch versorgt Echtes Recycling – bin ganz stolz. Heute werde ich die übelsten Wintersachen in den Keller tun, vielleicht eine Tasche Sommersachen hochtragen denn es soll doch noch einmal Sommer werden, oder?

oh nein..

Ging eigentlich guten Mutes zum Müllraum – heute ist Sonntag, die Kinder kommen zu ihrem jährlichen Besuch weil die Alte ja noch ein Jahr älter geworden ist und dann ist halt ein Besuch fällig – und alles war gut bis ich die Nachbarn, ein Ehepaar treffe. Volle Ausrüstung für draussen und siehe da, ja, sie machen Nordic Walking und mein Schweinehund wusste nicht wohin mit sich und dem schlechten Gewissen. Einfach ekelhaft und höchst unkameradschaftlich am Sonntag Vormittag – an dem ich ohne weiteres für Nordic Walking Zeit hätte, aber der Schweinehund hat gewonnen..

Zu Hause?

Es gibt Tage an denen ich einfach Heimweh nach Stockholm habe und wenn ich dann da bin muss ich mich manchmal über die Menschen wundern – warum ist man nie zufrieden? Ich darf im Mai nach Stockholm fliegen und freue mich schon aber freue mich dann auch darüber, dass ich dann wieder nach Hause nach der chaotischen und vermüllten Stadt Berlin fliegen darf. Bis dahin wedelt mein Männchen mit der schwedischen Fahne und bin froh darüber, dass ich das ohne Komplikationen zulassen kann. Wir Schweden sind eben ein bisschen bescheuert und verdammt stolz auf unser Land und das zeigen wir – egal ob Ihr das sehen wollt oder nicht! Basta!