Bald ist meine Mandatszeit als Mitglied im Bewohnerbeirat zu Ende. Ich schaue leicht gestört auf die Zeit zurück – habe so wenig bewegen können. Am Anfang dachte ich dass die Welt offen steht, holla die Waldfee, jetzt wird alles endlich geändert, aber nein.. meistens bin ich schon im Beirat gescheitert, meine Vorschläge waren „nicht durchdacht“ – meinte Frau/Mann. Ich stellte mir vor, dass wir im Garten längs dem Rollator-Wanderpfad – wie in Parkanlagen – Trimm-Dich-Geräte aufstellen, auf denen die Bewohner eine kurze Pause einlegen können und vielleicht eine andere Sache machen als nur langweilig mit dem ollen Rollator zu marschieren. Damit kam ich nicht weiter. Gegenargumente: Was ist WENN LEUTE VON DRAUSSEN KOMMEN !?!? Dass das Grundstück offen ist und fremde Leute durchmarschieren wissen wir ja, aber dass die Geräte so sensationell sein sollten, dass ganz Berlin hier aufmarschieren würde? Nee.. Ich wollte eine Organisation die sich um Suizid kümmert, d.h. jetzt ist ja assistierter Suizid erlaubt. UM GOTTES WILLEN; BIN ICH DENN VÖLLIG WAHNSINNIG?? Wir sind doch hier im Jungbrunnen und sowas von unsterblich. Mein Sommer Thai-Chi wurde eingestampft, hatte als neue Bewohnerin nicht den Weg gekannt, den ich hätte laufen müssen um es genehmigt zu bekommen, also wer nicht hören will muss spüren – NJET denn eine Mitarbeiterin, die sich übergangen fühlt, oh-oh-oh… Aber durchgekriegt habe ich, dass wir jetzt auch immer ein fleischloses Mittagessen bekommen. Schon was?! Also freue ich mich über jedes Essen ohne fette Fleischscheiben und kann wohl damit zufrieden sein – aber bin ich nicht, bin etwas nörgelig aber jetzt ist Schluss mit dem Beirat und mögen die neuen es besser machen – Glück auf und hiermit begrabe ich meine Ideen.. Ach hätte ich gerne die Inneneinrichtung im Haus etwas modernisiert aber damit wäre ich NIEMALS durchgekommen..
Meine süße kleine Nachbarin, ein kleines zartes und leicht verwirrtes Wesen, das manchmal der Meinung war, dass wild fremde Leute bei ihr im Wohnzimmer sitzen würden, immer den Schlüssel suchte, die manchmal das Radio auf Stufe Steintaub eingestellt hatte und den Knopf für Leiserdrehen nicht fand, die eine so große und schöne Wohnung mit einer Terrasse, auf der man hätte Walzer tanzen können hatte (bei mir wird es höchstens ein kleines Schrittchen), sie ist jetzt im Krankenhaus sanft eingeschlafen. Sie wird mir fehlen, sie war so zart und so fein und immer fröhlich – d.h. als sie sich verlaufen hatten und nicht nach Hause fand war sie nicht so fröhlich aber wer ist das schon wenn man sich in dem Riesenhaus verläuft? Zu ihrem Andenken hat man ein kleines Kärtchen an der Tür geheftet und ich muss beim Vorbeigehen immer an das zarte kleine Persönchen denken. Hoffentlich hat sie es gut, dort wo sie jetzt ist.
Draussen ist Berlinwinter und wenn Ihr ihn nicht kennt bedeutet das, alles ist grau in grau, der Himmel ist grau, die Menschen sind grau, die Strassen sind entweder Matschepampe oder eisglatt und natürlich grau – also der Gedanke daran eine Runde zu drehen ist schon erstickt und ausserdem ist es jetzt dunkel und dann ist es noch grauer – sozusagen dunkelgrau… Nein auch nicht Lortios „frisches steingrau“ Habe meine Kammer etwas aufgeräumt, Ablage gemacht, versucht das Handbuch über Smart Watch zu lesen – warum kaufe ich mir sowas wenn ich dafür zu doof bin.. stöhn.. Bitte bitte, lass es bald Frühling werden, lass die Sonne kommen und vielleicht ein klitze kleines Blümchen.. bitte..
Man sagt wenig „Guten Tag“ “ Guten Abend“ hier, nein man schaut dem anderen Menschen tief in die Augen und sagt „Wie geht´s“ mit leichtem zitternden Mitgefühl in der Stimme und macht sich auf einen langen Bericht bereit, wie es gestern ging, wie es heute geht und was der Doktor sagt. Manchmal habe ich dann vergessen, dass die Person mir sein Leiden schon mal ausführlichst geschildert hat aber werde sofort auf den neusten Stand gebracht. Also Gesundheitsstand muss immer auf dem neusten Stand sein und mir fällt auf, dass ich mein ganzes langes Leben nie so viel über Krankheiten geredet habe wie hier und dabei habe ich die Trumpfkarte in der Tasche – ich habe ein ganzes Sortiment im Angebot. …
Es ist bald Mittagessen-Zeit, man riecht es im ganzen Haus und man sieht die Rollatorkaravane Richtung Speisesaal. Wer nicht selbst rollen möchte/kann wird einfach mitgenommen – sitzend auf dem Rollator.
Das arme Personal schwört 100 Tage Regen und Schnee über die Rollatoren, die im Speisesaal herumstehen und das fliegende Personal stört. Aber ich habe gelernt, mit dem Rollator zu leben. Ich weiss noch als ich das erste Mal damit hinausgehen wollte und schlagartig verstand, dass ich jetzt eine echt alte Frau geworden war. Einfach so… Zack! Aber jetzt sind wir best Buddies und wenn ich unterwegs leicht schwanke hilft er mir, senkrecht zu bleiben Aber ich habe jetzt aufgehört, auf den Bürgersteingen herumzueiern (hier muss ja jeder Hausbesitzer für die Schneeräumung sorgen und irgendwie scheinen sie keine Lust mehr zu haben und da wir in Berlin sind, hat das NULL Konsequenzen) und laufe auf der wunderbar freigeräumte Strasse. Wieso nicht, ich habe auch vier Räder, also was solls?? Wenn der Bus kommt und im Bus schon ein Zwillingskinderwagenn (=Monster..) und ein Rollatorkompis steht muss Frau die Ellbogen herausholen aber ohne Ellbogen bist Du in Berlin eh verloren…
Liebe Gudrun, es ist eine sture Truppe hier - bloss nix Neues!!!!!!!!!!